Visueller Wochenplan mit Magnetkarten selbst basteln
Anleitung für einen flexiblen Wochenplan mit Magnet- oder Klett-Karten. 7 Tage auf einen Blick — in rund 60 Minuten gebaut, am nächsten Morgen im Einsatz.
Einleitung
Ein visueller Wochenplan hilft Kindern mit ADHS, die Woche in greifbare Stücke zu zerlegen — was kommt heute, was morgen, was am Wochenende. Diese Anleitung zeigt dir, wie du in rund 60 Minuten einen Magnet- oder Klett-Wochenplan baust, der ab morgen früh im Einsatz ist. Du brauchst keine fertige Therapie-Tafel und keinen Spezialshop — Drogerie, Bastelladen und dein Drucker reichen.
Kosten
ca. 12–20 €
Gesamtkosten ca. 12 bis 20 Euro. Wenn du Karton, Drucker und Schere zu Hause hast, fallen nur Magnetfolie oder Klettband ins Gewicht. Symbol-Set zum Download ist kostenlos (siehe Schritt 2).
Für wen
Für Eltern von Grundschulkindern mit ADHS, die zu Hause einen flexiblen Wochenplan aufbauen wollen — ohne Therapie-Set, ohne Spezialshop.
Werkzeug & Material
- Trägerfläche
- A3 Magnettafel oder verzinktes Backblech
- Magnettafel ca. 12–18 € im Bastelladen oder Möbelhaus. Backblech aus dem Haushalt funktioniert genauso — Klettband-Variante: A3 MDF-Brett oder feste Pappe, ca. 3–6 €.
- Magnetfolie selbstklebend
- 1 Bogen A4
- Ca. 5–8 € im Bastelladen — reicht für 30–40 Karten. Alternative: Klettband 20 mm, ca. 4–6 € pro Meter.
- Symbol-Set (Download)
- 1 A4-PDF mit 30+ Symbolen
- Kostenloser Download von neuroDIY (siehe Schritt 2). Eigene Erstellung — kein Lizenzrisiko.
- Drucker und Schere
- vorhanden
- Tinten- oder Laserdrucker — beides funktioniert. Schwarzweiß spart Tinte und ist oft sensorisch verträglicher.
- Laminierfolie
- 1 Bogen A4 (optional)
- Ab ca. 6 € für 10 Bogen. Verdoppelt die Lebensdauer der Karten. Bibliotheken und Copyshops laminieren oft für 50 Cent pro Blatt.
- Filzstift dünn
- 1 Stück
- Für Wochentag-Beschriftung und Anpassungen — Folienstift, falls du laminiert hast.
- Aufhängung
- 2 Bilderhaken oder Klebestreifen
- Magnettafel hängt mit Bilderhaken oder starken Klebestreifen wie Tesa Powerstrips. Backblech mit zwei Schrauben oder ebenfalls Powerstrips.
Sicherheit & Vorbereitung
Drei Dinge vorab.
Magnete und kleine Geschwister: Wenn jüngere Kinder im Haushalt mitleben, verwende große Magnet-Karten (ab 6 × 6 cm) statt einzelner Knopfmagnete. Verschluckte Magnete sind ein medizinischer Notfall — größere Karten verhindern das.
Kind in die Planung einbeziehen: Ein Plan, den nur du gemacht hast, wird leicht zur Erwachsenen-Vorschrift. Lass dein Kind mitentscheiden — welche Symbole, welcher Wochentag startet, wo der Plan hängt. Auch wenn dein Kind erst neun ist und du den letzten Plan schon zweimal verworfen hast: es muss sich beteiligen, sonst wird er ignoriert.
Erwartung managen: Der Plan wirkt nicht ab Tag eins. Rechne mit zwei Wochen, bis die Familie ein Sonntagsritual zum Umlegen entwickelt hat. Die ersten Tage sind Übung, kein Test.
Schritt für Schritt
Wochenraster mit deinem Kind planen
Setz dich kurz mit deinem Kind an den Tisch und überleg gemeinsam, wie eure Woche grob aussieht. Schreib pro Wochentag drei bis fünf Punkte auf — Schule, Hausaufgaben, Sport, Spielen, Abendessen, Schlafen. Halte dich an euren echten Alltag, nicht an einen Idealplan. Die meisten Wochen haben einen ähnlichen Grundrhythmus mit zwei bis drei festen Terminen (Fußball Dienstag, Klavier Donnerstag) und viel freier Zeit dazwischen.
Symbol-PDF herunterladen und drucken
Lad das kostenlose neuroDIY-Symbol-Set herunter (TODO-LINK — PDF wird vom Web-Manager bereitgestellt unter /downloads/wochenplan-symbole.pdf). Das Set enthält 30 Symbole in 6 × 6 cm: Schule, Hausaufgaben, Zähne, Frühstück, Mittagessen, Abendessen, Sport, Spielen, Lesen, Musik, Freunde treffen, Bildschirmzeit, frei, schlafen, Bad, Arzt, einkaufen, Oma/Opa-Tag und mehr. Druck einmal in Farbe und einmal schwarzweiß — du wirst beides brauchen. Wenn das Symbol fehlt, das du brauchst (Geschwister-Babysitting, Spielverabredung Lara): die letzte Seite hat leere Karten, die du selbst beschriftest.
Karten ausschneiden und laminieren
Schneide die Symbole an den vorgedruckten Linien aus. Wenn du laminieren kannst, laminieren — vor allem die zehn Symbole, die jeden Tag im Einsatz sind (Schule, Zähne, Essen, Schlafen). Nach dem Laminieren noch einmal nachschneiden, mit etwa 2 mm Rand um die Karte. Kleines Budget: Ohne Laminieren reichen die Karten für etwa drei Monate täglichen Gebrauch — danach druckst du nach.
Magnet- oder Klett-Rückseite anbringen
Magnet-Variante: Schneide aus der Magnetfolie quadratische Stücke von etwa 3 × 3 cm und klebe pro Karte zwei Stück auf die Rückseite — oben und unten. Zwei Stücke halten besser als ein großes, weil sich die Karte nicht so leicht löst. Klett-Variante: Klebe pro Karte ein 2 cm langes Stück Flausch-Klett (die weiche Seite) auf die Rückseite. Tipp: alle Karten gleich orientieren — sonst kleben sie kopfüber.
Wochenraster auf die Trägerfläche zeichnen
Teil deine Magnettafel oder dein Brett in 7 Spalten (Mo–So) und 3–4 Zeilen (Morgen, Schule, Nachmittag, Abend). Auf einer A3-Fläche bekommst du Felder von etwa 6 × 9 cm — genug für ein Symbol pro Feld. Zieh die Linien mit einem Lineal und Folienstift oder kleb dünnes Washi-Tape (1–2 €). Beschrifte die Spalten mit den Wochentagen — entweder mit Filzstift direkt oder mit aufgeklebten Wort-Streifen. Klett-Variante: Klebe drei waagerechte Streifen Haken-Klett (raue Seite) je nach Tageszeit.
Trägerfläche auf Augenhöhe aufhängen
Häng den Plan auf Augenhöhe deines Kindes auf, nicht auf deiner. Ein Flur, die Küchenwand neben dem Esstisch oder die Innenseite einer Zimmertür funktionieren gut. Wichtig: dein Kind muss die Karten ohne Hocker selbst erreichen können. Wenn ein Hocker nötig ist, kommt der Plan zu hoch. Vermeide die Wand hinter dem Fernseher oder zwischen Spiegel und Fenster — zu viel sensorischer Reiz drumherum.
Erstes Wochenlayout gemeinsam legen
Setz dich am Sonntagabend mit deinem Kind vor den leeren Plan. Sortiert gemeinsam die Karten auf die Tage. Sprich nicht zu viel — euer Kind soll die Karten selbst platzieren, du gibst nur Hinweise („Fußball war Dienstag, richtig?“). Dauert beim ersten Mal vielleicht 20 Minuten. Wenn euer Kind ungeduldig wird, deck den halben Plan ab und macht nur Mo–Mi — den Rest später.
Sonntagsritual etablieren
Macht das wöchentliche Umlegen zu einem festen 10-Minuten-Ritual am Sonntagabend. Gleicher Platz, gleiche Zeit, optional gleiches Snack. Das Ritual ist wichtiger als der Plan selbst — wenn ihr es zwei Wochen durchhaltet, läuft es danach von allein. Reisefreundlich: A4-Magnetfolie auf einem Backblech oder einer Keksdose mit 10 Karten reicht für Urlaubswochen oder Oma-Besuche.
Häufige Fehler und wie du sie vermeidest
- Zu viele Symbole pro Tag — starte mit drei bis fünf Karten pro Tag, nicht acht. Ein leerer Nachmittag im Plan ist auch ein Plan.
- Plan in Erwachsenen-Höhe — wenn dein Kind die Karten nicht selbst umstecken kann, gehört der Plan nicht ihm. Hänge auf Augenhöhe des Kindes, nicht auf deiner.
- Sonntag-Umlegen allein gemacht — das ist der häufigste Fehler. Wenn du den Plan für die neue Woche allein vorbereitest, verliert dein Kind den Bezug. Mach das Umlegen zum festen 10-Minuten-Ritual am Sonntagabend.
- Kein Ritual fürs Erledigt-Markieren — eine Karte umdrehen, in eine „fertig“-Box wandern lassen oder ein Häkchen mit Folienstift drauf — irgendeine Geste muss „erledigt“ signalisieren.
- Symbole zu klein — unter 5 × 5 cm wird das Greifen und Sehen schwierig, vor allem in der Eile vor der Schule. Bleib bei 5–8 cm.
- Magnete zu schwach — billige Folienmagnete halten schwere oder laminierte Karten nicht. Wenn Karten fallen, frust sich das Kind. Lieber zweimal Magnetfolie auf die Rückseite oder einen kleinen Klebepunkt-Magneten.
- Hausaufgaben als Strafe getarnt — wenn auf jedem Tag „Hausaufgaben“ klebt und auf keinem „spielen“, lehnt dein Kind den Plan ab. Spielen, Pause, Sport gehören sichtbar drauf.
- Sensorisch empfindlich: Wähle eine helle Magnettafel ohne Muster, schwarzweiß gedruckte Symbole, kein Glitzer, keine grellen Farben.
- Reisefreundlich: Eine A4-Magnetfolie auf einem Backblech oder einer Keksdose macht den Plan transportfähig — funktioniert bei Oma, im Urlaub, in der Notbetreuung.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter funktioniert ein Wochenplan?
Ab etwa fünf bis sechs Jahren mit reinen Bildsymbolen. Ab sieben bis acht funktionieren Bild-plus-Wort-Kombinationen. Jüngeren Kindern reicht ein Tagesplan völlig — die Wochenstruktur ist für sie noch zu abstrakt. Siehe dazu auch unseren visuellen Tagesplan mit Klett.
Wie oft sollte ich die Symbole austauschen?
Einmal pro Woche bei der Sonntagsplanung. Symbole, die in einer Woche nicht vorkommen (z. B. „Arzt“), wandern in eine Vorratsschachtel neben dem Plan. Neue Symbole (Geburtstag, Klassenfahrt) erstellt ihr gemeinsam aus den leeren Karten der letzten PDF-Seite.
Was, wenn das Kind den Plan ignoriert?
Häufige Ursache: das Kind hat den Plan nicht selbst mitgebaut, oder die Symbole sind reine Pflicht ohne Pausen. Bau eine Woche lang mit deinem Kind komplett neu — andere Wand, andere Symbole, mehr „Spielen“, „frei“, „Bildschirmzeit“ auf dem Plan. Wenn auch das nicht hilft, hat dein Kind vielleicht gerade einen anderen Bedarf — zu viel Schule, Streit mit Freunden, Schlafmangel. Der Plan ist Diagnose-Werkzeug, nicht nur Lösung.
Funktioniert das auch für autistische Kinder?
Ja, mit zwei Anpassungen. Erstens: weniger Karten pro Tag, dafür sehr konsistent (gleiche Symbole an gleicher Position). Zweitens: Verschiebungen oder Änderungen brauchen Vorankündigung — am besten mit einer „Ausnahme“-Karte, die du am Vorabend dazulegst. Die Anleitung [Visueller Tagesplan mit Klett](/de/blog/visueller-tagesplan-klett/) ist die autismus-freundlichere Schwester dieses Artikels.
Brauche ich einen Laminierer?
Nein. Karten ohne Laminieren halten etwa drei Monate täglichen Gebrauchs. Wenn ihr keinen Laminierer habt: Bibliotheken, Copyshops und Bastelläden laminieren oft für 50 Cent pro Blatt. Alternativ funktioniert dickere Folie aus dem Schulbedarf (Buchhüllen) ähnlich gut.
Magnet oder Klett — was ist besser?
Magnet ist schneller umgesteckt — gut für Kinder, die häufig Karten verschieben wollen. Klett hält fester — gut, wenn der Plan an einem windigen Ort hängt oder die Familie Geschwister hat, die gern an Karten ziehen. Beides funktioniert. Wenn ihr ein Backblech oder eine Magnettafel schon habt, ist Magnet die günstigere Variante.