Visueller Tagesplan mit Klett selbst basteln
Anleitung für einen flexiblen Tagesplan mit Klett-Karten. Schritt für Schritt, mit Material aus dem Bastelladen — ohne Therapie-Look.
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Einleitung
Ein visueller Tagesplan lässt sich für autistische Kinder selbst basteln — mit Klett-Karten, Material aus dem Bastelladen und unter 15 Euro. Du brauchst keine Therapie-Praxis, keine fertigen Sets und kein Vorwissen. Diese Anleitung führt dich in rund zwei Stunden vom leeren Brett zum hängenden Plan, der sich täglich neu zusammenstecken lässt.
Kosten
ca. 10–15 €
Gesamtkosten ca. 10 bis 15 Euro. Wenn du Pappe, Drucker und Schere zu Hause hast, fallen nur Klettband und Drucker-Toner ins Gewicht.
Für wen
Für Eltern autistischer Kinder, die zu Hause einen flexiblen Tagesplan mit Klett-Karten aufbauen wollen — ohne fertiges Therapie-Set und ohne Spezialshop.
Werkzeug & Material
- Trägerbrett
- A3, feste Pappe, MDF oder Sperrholz
- Ca. 3 bis 6 Euro im Baumarkt, oft gratis als Reststück.
- Klettband
- ca. 1 m, selbstklebend
- Haken- und Flausch-Seite, zugeschnitten als Streifen — ca. 4 bis 6 Euro.
- Karten-Material
- feste Pappe oder laminierte Drucke
- Format 8 × 8 cm — ein A4-Bogen ergibt 12 Karten.
- Bildquellen
- nach Bedarf
- Kostenlose Piktogramme von ARASAAC (freie Lizenz), eigene Fotos oder gedruckte Wörter.
- Drucker und Schere
- Optional ein Laminiergerät (ab ca. 20 Euro, oft auch in Bibliotheken).
- Aufbewahrung
- Schuhkarton oder Stoffbeutel
- Für ungenutzte Karten — Reste aus dem Haushalt.
Sicherheit & Vorbereitung
Klettband bei kleinen Kindern: Verwende Klett-Streifen, keine einzelnen Klett-Punkte. Punkte können sich lösen und für Kleinkinder zur Verschluckungsgefahr werden. Streifen halten besser am Brett und lassen sich nicht so leicht abziehen.
Kind in die Auswahl einbeziehen: Ein Tagesplan, den nur du gemacht hast, wird leicht zum Erwachsenen-Werkzeug, das dein Kind ablehnt. Lass dein Kind mitentscheiden — welche Bilder, welche Reihenfolge, welcher Platz an der Wand. Auch wenn dein Kind noch nicht spricht, kannst du zwei Bildvarianten zur Auswahl anbieten.
Standort gemeinsam wählen: Der Plan hängt auf Augenhöhe deines Kindes, an einem festen Ort, nicht zwischen Reizen wie Fernseher oder Fenster. Ein Flur, eine Küchenwand oder die Innenseite einer Zimmertür funktionieren gut.
Erwartung managen: Der Plan wirkt erst nach ein bis zwei Wochen Routine. Plane keine sofortige Veränderung. Die ersten Tage übst du gemeinsam mit deinem Kind, die Karten anzulegen und in die „fertig“-Box zu wandern.
Schritt für Schritt
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Tagesablauf zerlegen
Setz dich mit deinem Kind an den Küchentisch. Schreib auf, was zwischen Aufstehen und Schlafengehen wirklich passiert. Halte dich an den tatsächlichen Ablauf, nicht an den Wunsch-Ablauf. Eine typische Liste startet mit fünf bis sieben Punkten — Aufstehen, Frühstück, Anziehen, Kindergarten, Mittag, Spielen, Schlafen. Sensorische Variante: Wenn dein Kind beim Schreiben unruhig wird, sammle Stichworte mündlich und notiere sie selbst — ohne Block direkt vor dem Kind.
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Bildart wählen
Entscheide pro Karte: Foto, Piktogramm oder Wort. Fotos funktionieren bei jüngeren Kindern und bei Tätigkeiten im eigenen Zuhause — eigener Teller, eigene Schuhe, eigener Tisch. Piktogramme funktionieren bei abstrakten Tätigkeiten wie „Spielen“ oder „Warten“ und sind portabel zwischen Familie, Kita und Schule. Wörter kommen dazu, sobald dein Kind erste Buchstaben erkennt — oft als Kombination mit Bild auf derselben Karte. Kleines Budget: Eigene Fotos mit dem Handy reichen aus.
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Karten herstellen
Drucke oder klebe die Bilder auf feste Pappe, schneide Karten von 8 × 8 cm. Wenn du laminieren kannst, laminiere — das verdoppelt die Lebensdauer. Bring auf der Rückseite jeder Karte ein etwa 2 cm langes Stück Flausch-Klett an (die weiche Seite). Damit haftet jede Karte an jeder Stelle des Bretts.
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Trägerbrett vorbereiten
Klebe auf dein Brett drei waagerechte Streifen Haken-Klett (die raue Seite), jeweils einen für Morgen, Mittag und Abend. Beschrifte die Streifen mit einem dicken Filzstift oder einem aufgeklebten Wort-Streifen. Reizarm: Wenn dein Kind auf grelle Farben empfindlich reagiert, wähle schwarzes Klettband auf hellem Brett — der Kontrast bleibt klar, die Optik bleibt ruhig.
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„Fertig“-Box einrichten
Stell einen Schuhkarton oder einen kleinen Stoffbeutel direkt neben den Plan und beschrifte ihn mit „fertig“. Erledigte Karten wandern dort hinein. Dieser Abschluss-Moment ist der eigentliche Lernschritt — dein Kind sieht, dass eine Sache zu Ende ist, bevor die nächste beginnt.
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Erste Woche begleiten
Bau den Plan in der ersten Woche jeden Morgen gemeinsam mit deinem Kind auf. Steckt die Karten der Reihe nach an, sprecht jede einmal kurz an. Wenn eine Tätigkeit fertig ist, wandert die Karte in die Box — dein Kind macht das selbst. Bei mehreren Kindern: Jedes Kind bekommt ein eigenes Brett. Geteilte Pläne führen meistens zu Konflikten um die Karten.
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Wöchentlich anpassen
Sonntagabends nimmst du dir fünf Minuten und passt den Karten-Vorrat an. Was war neu, was kommt diese Woche dazu, was fällt weg. Schreib neue Karten von Hand vor, druck später nach Bedarf nach. Reisefreundlich: Pack zehn Karten und ein kleines Brett (DIN A5) in den Rucksack — funktioniert auch bei Oma, im Urlaub oder bei der Tagesmutter.
Häufige Fehler und wie du sie vermeidest
- Zu viele Karten am Anfang — starte mit fünf bis sieben Karten für die halbe Tageshälfte. Zwölf Karten an Tag eins überfordern.
- Karten zu klein — ab 6 × 6 cm wird das Greifen für kleine Hände schwierig. Bleib bei 8 × 8 cm oder größer.
- Fremde Symbole — ein Piktogramm, das dein Kind nicht kennt, ist unsichtbar. Eigene Fotos schlagen Standard-Symbole oft, vor allem in den ersten Wochen.
- Plan außer Reichweite — wenn dein Kind die Karten nicht selbst umstecken kann, gehört der Plan nicht dem Kind. Hänge ihn niedriger.
- Eingefrorene Reihenfolge — wenn jede Woche derselbe Plan hängt, wird er ignoriert. Bau am Sonntag bewusst eine kleine Veränderung ein.
- Plan als Bestrafungsmittel — wenn Karten als Drohung dienen („wenn du das nicht machst, kommt sie nicht in die Box“), bricht das Vertrauen ins Werkzeug. Der Plan zeigt, was passiert — er straft nicht.
- Heute groß starten, morgen vergessen — die ersten zehn Tage entscheiden. Setz dir einen Wecker für die Morgen-Routine.
- Sensorisch empfindlich: Schwarzes Klett auf hellem Brett, wenige Karten, ruhige Wand ohne Muster dahinter.
- Reisefreundlich: Zehn Karten und ein kleines DIN-A5-Brett in den Rucksack.
- Mehrere Kinder: Jedes Kind ein eigenes Brett — geteilte Pläne führen meist zu Konflikten um die Karten.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter funktioniert ein visueller Tagesplan?
Ab etwa drei Jahren mit Fotos, ab vier bis fünf mit Piktogrammen, ab sechs mit Wort-Bild-Kombinationen. Auch bei älteren Kindern und Jugendlichen kann der Plan helfen — dann oft als Wochenplan statt Tagesplan.
Fotos oder Piktogramme — was ist besser?
Beides hat Vorteile. Fotos sind sofort verständlich, weil dein Kind sein eigenes Zuhause wiedererkennt. Piktogramme sind portabel und funktionieren überall gleich. Viele Familien starten mit Fotos und ergänzen Piktogramme nach und nach.
Mein Kind reißt die Karten ab oder zerstört sie. Was tun?
Das passiert oft in den ersten Tagen und gehört dazu. Laminierte Karten halten mehr aus. Wenn das Abreißen bleibt, frag dich, ob die Karte das Falsche zeigt — vielleicht steht eine Tätigkeit drauf, die dein Kind ablehnt. Tauscht die Karte gemeinsam aus, statt zu schimpfen.
Wie oft sollte ich den Plan anpassen?
Einmal pro Woche reicht in der Regel. Tägliche Anpassungen sind erlaubt, wenn etwas Besonderes ansteht — Arzttermin, Ausflug, Besuch.
Funktioniert das auch in der Kita oder Schule?
Ja, vor allem mit Piktogrammen statt Fotos. Sprich vorab mit der Erzieher:in oder Lehrkraft, ob ein Mini-Plan am Garderoben-Platz oder in der Schultasche dabei sein darf.
Brauche ich dafür eine Therapeutin, oder kann ich das allein?
Du brauchst keine Therapeutin, um diesen Plan zu bauen. Wenn du den Verdacht hast, dass dein Kind mehr Unterstützung braucht als ein Plan abdecken kann, ist eine Ergotherapie- oder Frühförder-Stelle der nächste Schritt — der Plan ist dann eine Ergänzung, kein Ersatz.